Aktuelle Meldungen
Resolution anläßlich des Tages der Verbraucher und der prekären Lage am Milchmarkt
Position des Landfrauenverbandes Rheinland-Nassau im
Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e.V.
zur „Situation in der Milchwirtschaft“
Zum Tag des Verbrauchers fordert der Landfrauenverband Rheinland-Nassau eine ehrliche und offene Verbraucherinformation sowie eine effektive Unterstützung der Milchviehbetriebe.
Dem Landfrauenverband Rheinland-Nassau ist die gravierende und bedrohliche Situation auf vielen Höfen bewusst. In der Übergangs- und Anpassungsphase der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik fordern die Landfrauen Liquiditätshilfen, Unterstützung und Kostenentlastung, um den Betrieben über das Preistal hinweg zu helfen.
Kurzfristig Liquidität sichern
Wir Landfrauen begrüßen, dass das Land Rheinland-Pfalz schnell und unbürokratisch Anträge auf Steuerstundung und Absenkung der Steuervorauszahlungen gewährt.
Zur aktuellen Liquiditätssicherung in den Betrieben wäre es wichtig, die ohnehin zum Jahreswechsel anstehenden Auszahlungen der Direktzahlungen zeitlich vorzuziehen. Eine kurzfristige Bereitstellung von Betriebsmitteldarlehen und Bürgschaften wäre hilfreich, damit sichergestellt werden kann, dass die von der Landwirtschaftlichen Rentenbank bereitgestellten zinsgünstigen Liquiditätsüberbrückungskredite auch bei den Landwirten ankommen.
Wir Landfrauen begrüßen, die schnelle Reaktion der Landwirtschaftlichen Rentenbank, die durch zwei Programme den Milchviehbetrieben günstige Konditionen zur Zwischenfinanzierung anbietet. Insgesamt sind die Betriebsmittel-Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank deutlich günstiger, als etwa eine direkte Kontokorrentfinanzierung über die Hausbank, so dass jeder Betriebsleiter für sich prüfen sollte, in wie fern er hier Zinsen sparen kann.
Diese Hilfe zur Selbsthilfe, zur Überbrückung der Liquiditätsengpässe reicht aber nicht aus.
Wir Landfrauen im Landfrauenverband Rheinland-Nassau fordern, dass die Politik endlich die einseitig hohe Kostenbelastung durch die deutsche Agrardieselbesteuerung beendet und Wettbewerbsgleichheit zu den europäischen Nachbarn herstellt.
Keine Lebensmittel zu Dumpingpreisen!
Lebensmittel haben ihren Wert!
Aktuelle Billigpreis-Anzeigenkampagnen für Milch und Milchprodukte sorgen bei den Landfrauen für Entsetzen! Die Landwirte und Landwirtinnen produzieren in den regionalen Wirtschaftskreisläufen nachhaltig und umweltschonend qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, die ihren Preis wert sind.
Absatz unterstützen
Als wichtigen Baustein fordern die Landfrauen den Verbrauch und damit den Absatz zu fördern um den Markt wieder zu beleben! Nur dann können sich die Preise erholen!
Einig sind sich die Landfrauen auch darüber, dass es eines schlagkräftigen Systems der Exportförderung bedarf, um unter anderem die durch das schlechte Euro- Dollar-Verhältnis verloren gegangenen Marktanteile zurück zu gewinnen.
Im Inland muss der verhaltene Konsum bei Milchprodukten durch bessere Informationen und stärkere Förderung unterstützt werden. Dazu zählen Schulmilchprojekte ebenso wie die weitere Unterstützung der Milchbotschafterinnen, die an Schulen über den gesundheitlichen Wert der Milch und Milchprodukte aufklären.
Kein Käseersatz – Kennzeichnung der Ersatzprodukte
Wir Landfrauen fordern von der Industrie den Austausch von Milchfetten gegen billigere Pflanzenfette umgehend rückgängig zu machen. Nach Medienberichten werden in Deutschland jährlich etwa 100.000 Tonnen künstlicher Käse, so genannter „Analogkäse“, hergestellt.
Die meisten Verbraucher wissen gar nicht, dass in Eiscreme oft gar keine Milch mehr drin ist und dass bei der Pizza- und Schmelzkäseprodukten ein pflanzliches Ersatzprodukt für Käse verwendet wird. Bessere Deklarationen und intensive Aufklärung der Verbraucher ist dringend erforderlich.
Was drin ist, muss auch drauf stehen.
Die Verwendung des Begriffs „Käse“ ist gesetzlich geregelt und darf nur für die Produkte verwendet werden, die aus Milch und Milchprodukten hergestellt sind. Ersatzprodukte dürfen weder „Käse“, noch „Analogkäse“ heißen. Das allein ist aber zu wenig. Auch eine bildliche Darstellung von Käse auf dem Etikett oder die Platzierung dieser künstlichen Produkte im Käseregal ist eine klassische Verbrauchertäuschung und muss unterbunden werden.
Wir Landfrauen fordern eine klare Kennzeichnung der Ersatzprodukte als solche.
Was Ersatz ist, muss auch als „Ersatz“ gekennzeichnet sein.
Strengere Kontrollen müssen garantieren, dass nicht durch fehlende Information falsche Eindrücke geweckt werden.
In der aktuellen Krisensituation ist deutlich geworden, dass mit der Deregulierung der Agrarmärkte und deren jetzt sichtbaren Folgen auch Anpassungsbedarf in der Aus- und Fortbildung der Landwirte und Landwirtinnen besteht. Insbesondere das Liquiditätsmanagement muss neben Kosten- und Produktionsmanagement stärkere Bedeutung erhalten.
Der Landfrauenverband Rheinland-Nassau unterstützt die bäuerlichen Familien in ihren Forderungen und hebt verstärkt das Engagement der bäuerlichen Betriebe für den Erhalt unserer gepflegten Kulturlandschaft hervor.
Unsere bäuerliche Landwirtschaft garantiert uns wertvolle, gesunde Lebensmittel, sie schafft uns einen optimalen Lebens- und Erholungsraum.Um dies alles leisten zu können brauchen wir angemessene Preise und ausreichende Einkommen.
Koblenz, den 11. Mai 2009